Humor

Alois Wagner, Dillingen um 1792

Außer seinen Ferienreisen, wo er seine vielen Freunde in der Nähe und Ferne zu besuchen pflegte, bei denen er auch seine meisten Gelegenheitspredigten hielt, bestand seine Erholung besonders am Abende während des Schuljahres meistens mit den Professoren Weber, Zimmer, Feneberg und anderen Freunden. Dabei führte er die heitersten Gespräche; die mit eingestreuten Scherzen und Anekdoten waren nicht nur höchst amüsant, sondern auch belehrend. Ich verglich diese Manier Sailers, belehrend zu ergötzen, mit der Manier des witzigen Wandsbecker Boten Mathias Claudius.

Laurenz Schiffmann, aus Herbstreise 1806

Auf dem Wege schon hatten wir die Gelegenheit, den heiteren Humor, der durch Würde und Ernst wie der Sonnenstrahl durch liebliches Abendgewölk hindurchbrach, zu bewundern, so auch die unermüdliche Geschäftigkeit, Gerührigkeit und Lebendigkeit, worin er die jungen Reisegefährten weit überbot, überall selber ordnend und nachsehend, ob keiner der von ihm Angestellten in etwas seine Pflicht versäume. Jedermann an der Straße laut grüßend, sich, wo er konnte, mit den Leuten freundlich unterhaltend, ließ er überall stillehalten, wo jemand auf der Straße etwa fremder Hilfe bedurfte. ...

Barbara Steinmann-Bernet, aus Herbstreise in die Schweiz 1810

... Den teuren Sailer sah ich da so froh mit seinen Freunden scherzen und mitten im Scherz manche Lebenslehre für alle austeilen; auch erzählte er eine Legende von Jodok und manch´ anderes, woraus viel zu lernen war. ...

Jakob Salat, Landshut 1812

Frömmigkeit, Klugheit und Lustigkeit waren in Sailers Charakter drei hervorstechende Züge, wie solche dem Beobachter nie in e i n e r menschlichen Individualität vorgekommen. Öfters entstand mir die Bemerkung: ich kenne keinen Frommen, der so klug, und keinen Klugen, der so fromm ist; und die andere: ich kenne keinen Frommen, der so lustig, und keinen Lustigen, der so fromm ist. ...

Betreffend noch die Sailersche Lustigkeit, so war mit derselben ein gesellschaftlicher Witz verbunden. So machte sie ihn auch zu einem guten Gesellschafter, selbst in adeligen Familien, z.B. in Westfalen, wohin der Fromme und Geistreiche mit dem mystisch-dogmatischen Beischlage in den Ferien eingeladen war. Den „zum Bischof in Regensburg Designierten" lud nun der Minister von Zentner, unser vormaliger Kurator, zu Tische und äußerte sich über denselben nachher so: „In d e m Mann haben wir uns geirrt!" So wenig hatte er einen lustigen Gast erwartet: Sailer hatte die ganze Gesellschaft erheitert.

Alois Wagner, Nov.1820

Tiefen Eindruck machte die Predigt, die Sailer im Jahre 1820 in der Domkirche zu Rottenburg hielt, wo ihn der berühmte Prof. und Preußische Staatsrat v. Savigny aus Berlin mit mehreren Professoren aus Tübingen in meinem Hause besuchte, der an der Tafel die bekannte Anekdote mit dem Schnepfenpräsente, das Sailer als Knabe, den sein Vater nach München zum Studieren führte, dem dortigen Studienpräfekt machte, gar unterhaltend erzählte, indem er beim Vorlegen der Schnepfen die Erzählung mit den Worten begann: „Wo Sailer ist, da sind halt Schnepfen!" ......

Quelle: Hubert Schiel „Johann Michael Sailer" Erster Band 1948 Karl Wöber